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Surforeggae
Reggae · 05. Juni 2002

Reggae in São Paulo!

Reggae in

São Paulo ist eine Stadt, in der man alles mit einer gewissen Skepsis betrachten muss. Hier ist jeder sehr nachsichtig. Wenn der Paulistano Esfihas vom Grupo Sérgio und Coverband-Shows schluckt, ohne nach einem Gallone Fruchtsalz zu fragen, dann deshalb, weil der Magen ab Werk gegen Sodbrennen gepolstert ist. Wie dem auch sei, Reggae-Bands vermehren sich hier wie Hamster. Zwei Hände reichen längst nicht mehr zum Zählen: Nomad, Walking Lions, Jai Mahal und os Pacíficos da Ilha, Radical Roots, Luís Vagner e Amigos Leais, Cacau Gamb e Otrabanda, Nova Jóya, TC, Banda Luanda, Lumumba, Simsemilla usw.

Wo Rauch ist, ist Feuer (ups!), SP hat nicht nur Bands, sondern auch Publikum. Einen Meilenstein in der wachsenden Reggae-Ebullition hier zu setzen, bedeutet, eine lange Geschichte zu überfahren, aber man kann sagen, dass der Kessel brodelte, als zwei auf das Genre spezialisierte Radiomoderatoren ihre Pick-ups in die angesagtesten Nachtclubs der Stadt brachten: Otávio Rodrigues hisste seine grün-gelb-rote Flagge im Aeroanta, Jai Mahal tut dasselbe im Dama Xoc. In kurzer Zeit drehten sich mittwochs mehr Drehkreuze als am Wochenende.

Plötzlich hatte jede Band ihr treues Publikum und ihre Seite im volkstümlichen Reggae-Cordel der Stadt. Obwohl die meisten dieser Gruppen schon lange aktiv sind, fand der Übergang von der anonymen Gasse zur Ramp des Ruhms 1990 statt. In jenem Jahr stieg Dagô Miranda (Radical Roots) auf der Bühne des Projeto SP, um neben Junior Marvin (Wailers) zu singen, Luís Vagner empfing ebenfalls die einstige Band von Bob Marley zu einem Gastauftritt im Aeroanta, Sinsemilla tourte bis nach Caxambu (MG), und die Compilation Reggae Vibrações (mit 5 der oben genannten Bands) begann Wirklichkeit zu werden. Kurz gesagt, 90 war das Jahr der Reggae-Wiedergeburt in Sampa.

Jetzt hat die Sache enthusiastischere Konturen angenommen als erwartet. 1991 trat Brasilien mit voller Kraft in die Route der wichtigsten Reggae-Künstler der Welt ein. Fast jedes Wochenende wird jemand als "die Crème de la Crème Jamaikas" angekündigt. Zweifellos ist es weitaus besser, auf internationale Shows zählen zu können, als vom eintönigen Umzug der Pseudo-Reggaemen Paulistanos geleitet zu werden. Schließlich sind die hier dem Genre gewidmeten Bands, bis auf seltene Ausnahmen, wie Lieferservice-Pizzerien: die eine schlechter, die andere besser, viele so unverzichtbar wie lediglich mittelmäßig. Dieser Artikel erschien im Mai 1991 in der Revista Bizz Super Especial Reggae, und 11 Jahre später halte ich ihn für sehr aktuell.

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